08/31/2010

Was Studien so ergeben

Fast neun von zehn „Professionellen Entscheidern“ nutzen Fachzeitschriften. Das ist doch einmal eine starke Aussage, die die Bedeutung dieser Mediengattung untermauert, denkt man sich. Und es kommt scheinbar sogar noch besser: „Die Print-Online-Kombination von Fachmedien erreicht eine außerordentlich hohe Nutzung von 91 Prozent.“ Auf den zweiten Blick werden die Ergebnisse dieser Studie, die die „Deutsche Fachpresse“ unter dem Titel B2B-Entscheideranalyse 2010 veröffentlicht hat, allerdings deutlich zweideutiger. Die entsprechende Frage zu oben genannter Antwort lautete: „Nutzung von B-to-B-Medien: Welche Informationsquellen wurden in den letzten 12 Monaten beruflich genutzt?“ Als Auswahlmöglichkeit gab es neben den Fachzeitschriften aber nur die Stichworte Hersteller-Websites, Außendienst, Direktwerbung, Fachmedien online, Fachmessen. Aber warum werden lediglich „Hersteller-Websites“ abgefragt, nicht jedoch zum Beispiel Blogs, Foren, soziale Netzwerke und ähnliche Angebote im Internet? Oder das Internet an sich? Weil es kein Medium ist? Dann wäre allerdings auch fraglich, ob man einen „Außendienst“ oder „Direktwerbung“ wirklich als Medium bezeichnen kann. Außerdem leiten Fachmedien gemäß dieser Studie „85 Prozent der Professionellen Entscheider auf Hersteller-Websites“. Das klingt wahnsinnig toll. Aber je öfter man den Satz liest, desto unklarer wird, was eigentlich damit gemeint sein soll.

Etwas ehrlicher erscheint uns in dieser Hinsicht dagegen die Umfrage, die der Deutsche Drucker zusammen mit dem FMP und Value-Netzwerk vor ein paar Monaten mit einer ähnlichen Fragestellung durchgeführt hat. Die Befragten waren Druck- und Mediendienstleister sowie Printbuyer. Sie listet nicht nur deutlich mehr Antwortmöglichkeiten auf (hier sinnvollerweise nicht als Medien, sondern als Informationskanäle bezeichnet), sondern ist auch transparenter bei den abgegebenen Antworten. Und siehe da: Beim Kriterium „regelmäßige Nutzung“ vorne liegen nicht etwa die Fachmedien, sondern das Internet an sich, und nimmt man Foren, Blogs und Soziale Netzwerke hinzu, wird der Abstand sogar noch größer. Wenn man sein eigenes Medienverhalten am Arbeitsplatz zu Grunde legt, kann das eigentlich nicht verwundern. Den Stellenwert oder die Bedeutung einer gut gemachten Fachzeitschrift muss die rein mengenmäßige Betrachtungsweise jedoch nicht unbedingt verringern.

Gut, die Studie der Deutschen Fachpresse kommt auch noch zu dem Ergebnis, dass Fachzeitschriften vergleichsweise glaubwürdig, neutral und seriös sind, dass sie häufiger als andere „Medien“ (also als der Außendienst zum Beispiel) neue Trends und Entwicklungen aufzeigen und bessere Markttransparenz schaffen. Aber wenn Fachzeitschriften bei diesen Punkten, ihren ureigensten USPs, nicht vorne lägen, dann hätte ohnehin ihr letztes Stündlein geschlagen. Was sollten sie sonst bieten? Zerstreuung am Arbeitsplatz? Unterhaltung für die Kaffeepause? Poster für den Spind? Als Momentaufnahmen ist das Studienergebnis deshalb kaum umwerfend. Wir sind aber gespannt, wie sich die Werte 2011 oder 2012 absolut und auch relativ gesehen zu anderen „Medien“ entwickeln werden – dann aber bitte zu allen relevanten Informationsquellen.

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