06/02/2010

Ein Award für jeden sechsten Titel

Durchaus löblich ist das Engagement des Verbandes „Deutsche Fachpresse“, die Fachmedien des Jahres zu küren. Ein bisschen erstaunlich ist dann nur die Resonanz: Gut und gerne 6.000 Fachzeitschriften gibt es in Deutschland. Von denen glauben nur ganze 80 Titel, dass sie prämierungswürdig sind. Jedenfalls haben sich nur so viele beworben um diesen Branchenaward. Das sind noch nicht einmal anderthalb Prozent. Dabei waren die Gewinnchancen exorbitant hoch: Es wurde nicht etwa ein einziger Preis vergeben, sondern 14 Preise in 12 Kategorien. Also jeder sechste teilnehmende Titel erhielt den Award „Fachmedium des Jahres“.

Über die Gewinner lässt sich – wie bei jedem Award – in manchen Fällen trefflich streiten. Absatzwirtschaft (Kategorie Marketing), Process (Chemie/Kunststoffe) oder Druck & Medien (Handwerk/Gewerbe) haben den Award zweifellos verdient. Etwas bedenklich bei der Sache: Mindestens ein Verlag unter den 14 Preisträgern gehört zu den Vorreitern, wenn es darum geht, redaktionelle Inhalte eng mit Anzeigenschaltungen zu koppeln. Ob das beim prämierten Titel der Fall ist, können wir derzeit nicht beurteilen. Aber gut, die Kriterien für die Jury lauteten u. a. „Textqualität, Verständlichkeit, Stilmittel, Leserführung, Zielgruppenrelevanz und grafische Gestaltung“. Nach „redaktioneller Unabhängigkeit“ wurde nicht gefragt.

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