17.05.2010
Wir sind so frei
Angst um die Vielfalt der deutschen Fachzeitschriften braucht derzeit niemand zu haben – schrieben wir schon vor ein paar Tagen. Das wird grundsätzlich jetzt auch bestätigt durch die ganz aktuellen Zahlen der Deutschen Fachpresse, der Interessenvertretung der deutschen Fachverlage, für das abgelaufene Jahr. Natürlich gingen die Erlöse aus dem klassischen Zeitschriftengeschäft erwartungsgemäß zurück – um 10,9 %. Das ist gewiss schmerzlich. Aber angesichts der harten Budgetkürzungen in vielen Unternehmen nimmt sich dieser Rückgang noch als relativ bescheiden aus. Wenn man die Entwicklung der Fachverlage betrachtet, sieht das Bild noch besser aus: Dann gibt es nur einen Rückgang um 4,2 Prozent, da z. B. die Erlöse durch digitale Medien deutlich gestiegen sind. Bei genauer Betrachtung sind den Zahlen allerdings deutliche Warnhinweise zu entnehmen.
Denn wahr ist auch: Das Geschäft mit Anzeigen brach deutlich ein, um 17,4 Prozent. Die Vertriebserlöse haben sich dagegen lediglich um 4,9 Prozent verringert – nachdem sie seit 2001 nahezu kontinuierlich leicht gewachsen waren. Vertriebserlöse scheinen über lange Zeiträume und auch über Krisen hinweg recht stabil zu bleiben – ein starker Anker in rauer See. Dummerweise erzielen viele Fachzeitschriften aber gar keine Vertriebserlöse, sie werden kostenlos verteilt – vielleicht weil andernfalls die meisten Leser sagen würden: „Dankeschön, kein Bedarf“? Komisch, dass viele Verlage darüber jammern, wie das Internet eine Kultur der unbezahlten Inhalte fördert. Sie selbst machen es ja seit vielen Jahren vor.
Aber die werbetreibende und kommunikationsaktive Industrie hat auf Dauer vermutlich mehr Interesse daran, Leser zu erreichen, die die Fachzeitschriften wirklich lesen (und deshalb bezahlen), als einfach nur an einer hohen Auflage (deren Verbleib und Nutzung künftig wahrscheinlich stärker hinterfragt wird). Warum sollten exklusive, gut recherchierte oder zumindest gut aufbereitete Fachinhalte keine Käufer finden? Das mag für viele Verlage zunächst ein steiniger Weg sein – aber er scheint langfristig die besseren Aussichten zu versprechen.
![]()
