04/29/2010
Kahlschlag im Blätterwald?
Haben Fachzeitschriften eigentlich noch eine Chance? Diese jetzt immer öfter gestellte und schon von starken Zweifeln geprägte Frage impliziert im Grunde schon die Antwort. Doch die nüchternen Zahlen der Werbeausgaben belegen etwas ganz anderes, wie die Zeitschrift Druckmarkt zusammengetragen hat: Der gesamte deutsche Werbemarkt schrumpft seit 2000 mehr oder weniger kontinuierlich. Doch ausgerechnet das Segment der Fachzeitschriften legt seit 2003 zu, zwar nur leicht, aber jedes Jahr stetig. 2003 bekamen Fachzeitschriften vom Werbekuchen 0,88 Mrd. Euro ab. 2008 (neuere Zahlen gibt es nicht) waren es immerhin 1,03 Mrd. Euro – eine Steigerung um 17 Prozent. Inflationsbereinigt mag sich der Wert vielleicht nicht ganz so imposant ausnehmen. Aber: Von Untergang kann im Moment nun wirklich nicht die Rede sein.
Natürlich ist der Sprung der Online-Medien viel imposanter: von 0,23 Mrd. Euro im Jahr 2003 auf 0,75 Mrd. Euro im Jahr 2008. Das sind satte 230 Prozent plus. Nur welchen Anteil haben daran überhaupt „Medien“? Der weitaus größte Batzen geht an Google. Doch die Suchmaschine produziert keine eigenen Inhalte, sondern lebt davon, fremde Inhalte „abzugreifen“. Und dass in Zukunft niemand mehr an unabhängigen (Fach-)Inhalten interessiert ist und vielleicht sogar dafür zahlt (in welcher Form auch immer), scheint eher unwahrscheinlich. Vorausgesetzt, diese Information ist eben nicht überall frei verfügbar. Klar, das setzt echte Kompetenz in den Redaktionen voraus. Das bloße Vorhandensein einer Fachzeitschrift wird immer weniger ausreichen, um allein schon deshalb einen Teil vom Werbekuchen abzubekommen. Wahr ist aber auch: Die unendliche Vielfalt der deutschen Fachzeitschriften verträgt locker die eine oder andere Marktbereinigung. Angst um Fachmedien müssen wir deshalb nicht haben. Die Gesamtqualität würde dadurch vermutlich sogar steigen.
![]()
