06.04.2010
Gut Holz!
Das Magazin Holz ist eine unscheinbare Fachzeitschrift, die über „Technik und Service für Holzbetriebe“ berichtet. Über den vermutlich engen Kreis der fachlich interessierten Leser hinaus wirklich bemerkenswert sind hier die Editorials von Chefredakteur Manfred Kittel. Er nimmt dort kein Blatt vor den Mund, wenn es um das Verhältnis von Fachpresse zu Agenturen und Unternehmen geht. In der aktuellen Ausgabe 2/2010 knöpft er sich das Thema Pressekonferenzen vor. Diese würden inzwischen für jeden Pipifax veranstaltet. Von meist extrem dünn besetzten Fachredaktionen werde immer noch wie selbstverständlich erwartet, quer durch ganz Deutschland zu reisen, obwohl der Mehrwert vor Ort äußerst gering ist: „Was bekommt die entsprechende Zeitschrift als Gegenleistung? Wertvolle Informationen? Ein Exklusivinterview?“ Meist nichts dergleichen. Oftmals fehle sogar jeglicher Nachrichtenwert. Oder es gebe schlicht keinen Grund, physisch vor Ort zu sein.
Das sind bemerkenswerte und leider zu selten gehörte Töne aus der Fachpresse, die allerdings traditionell besonders abhängig ist vom Wohlwollen der Industrie. Aber Kittel hatte vor einem Jahr schon einmal feste auf den Putz gehauen. Dabei ging es darum, wie Unternehmen heute glauben, über den redaktionellen Platz der Fachpresse bestimmen zu können, vielerorts sogar nach einem Korrekturabzug verlangten. Originalton Kittel: „Man erwartet, dass der oft umfangreiche und schwungvoll mit Werbeargumenten unterlaufene Pressetext von der Redaktion angenommen wird. Man will sich sogar eine Kontrolle vorbehalten, damit die Redaktion auch wirklich das bringt, was man im Text stehen haben will. Ebenso erwartet man aber, dass alles Übrige, was im redaktionellen Teil steht, von Firmen und Werbung unbeeinflusst ist und sachlich Fakten über Neues und Verbessertes wiedergibt. Das ist Widerspruch in sich mit dem Motto: Heiliger Florian, verschon mein Haus, zünds andere an.“ Und statt wirklich Image profilierende Geschichten anzustoßen, die sich mit etwas Neugier und journalistischem Blick in jedem Unternehmen finden lassen, sind die Fachzeitschriften dann voll mit weichgespülen “News”. Mit deren Abstimmung haben sich dann zwar mindestens sechs Unternehmensabteilungen beschäftigt. Aber im gedruckten Zustanden interessieren sie niemanden mehr. Leider auch keinen Leser.
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