03/25/2010

Zahlreich, aber wertlos

Sie schießen wie Pilze aus dem Boden und kommen mit pompösen Namen daher wie European Management + Business News, EuroMarkt , Wirtschaftsforum , European Business Journal , Regionaleuropäischer Wirtschaftsspiegel , Economy Tribune, Industry & European Market, Internationale Wirtschaftsnachrichten und, und, und. Ihre Gestaltung ist mitunter sehr professionell. Aber im Grunde geht es um eines: Unternehmen Geld aus der Tasche zu ziehen für eine völlig überflüssige Leistung.

Das Spiel ist immer ähnlich: Der Geschäftsführer oder Vorstand soll sich Zeit nehmen für ein persönliches Interview. Die Veröffentlichung der anschließenden „Reportage“ ist natürlich kostenlos. Aber, leider, leider, für die Bilder muss man dann doch zahlen, pro Spalte und mm. Das summiert sich ganz schnell auf mehrere tausende Euro. Aber wer möchte schon auf schöne Bilder verzichten? Aus Unternehmenssicht wäre das Vorgehen ja vielleicht noch vertretbar, wenn damit zumindest irgendwelche relevanten Zielgruppen erreicht würden. Tatsächlich werden aber die Titel (wenn überhaupt) wahllos verteilt (angeblich natürlich bei anderen Geschäftsführern, Vorständen und „Entscheidern“). Sie haben außerdem keinerlei inhaltlich Fokussierung, so dass selbst ein zufälliger Leser wegen der wüsten und undurchsichtigen Themenmischung schnell jedes Interesse verliert (vom meist fehlenden Nachrichtenwert und mangelnder journalistischer Qualität einmal ganz zu schweigen).

Eine interessante Variante kommt insbesondere aus dem angelsächsischen Raum. So etwa das: Euroasia Industry Magazine. Dort ist dann auch die Veröffentlichung des Bildmaterials kostenlos – vorausgesetzt, das angesprochene Unternehmen rückt eine Liste mit den 50 wichtigsten Lieferanten raus. Diese werden dann von Anzeigendrückern mal mit sanftem, meist jedoch mit stärkerem Druck dazu gebracht, Anzeigen zu schalten (von denen sie selbst gar nichts haben, da die betreffenden Magazine nicht ihre Zielgruppen, sondern lediglich die Zielgruppe ihrer Kunden erreichen). Aber als Lieferant zahl man doch gerne dafür, dass die eigenen Kunden toll dargestellt werden, gell?

Mit ernstzunehmender Fachpresse hat das alles nichts zu tun. Leute, ignoriert diese Titel, wenn Sie an Euch herantreten. Es ist der beste Weg, diesen Sumpf trockenzulegen.

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